Das Barfuß-im-Schnee-Paradoxon

Fußspuren im SchneeSeltener Schnee

Vor ein paar Tagen hat es in Berlin geschneit. Nicht besonders viel, aber immerhin so, dass ein paar Zentimeter liegen geblieben sind, bevor alles bei leichten Plusgraden wieder weggetaut ist. Das wollte ich natürlich ausnutzen, gab es doch bisher keine Gelegenheit auf Schnee zu laufen, seit wir in Berlin wohnen.

In den letzten Wochen war die Außentemperatur meistens bei 3-6°C, was ich teilweise schon als unangenehm kalt unter den Füßen empfand. Jetzt, bei nur 2°C, leichtem Schneeregen und mittelstarkem Seitenwind waren die Bedingungen eigentlich alles andere als optimal. Aber ich wollte unbedingt auf Schnee laufen, bevor er wieder weg ist. Deswegen nahm ich mir nur eine kurze Runde von 3-4km vor, weil ich damit rechnete, dass mir auf dem nassen Schnee recht schnell die Füße einfrieren werden.

Unerwartetes Temperaturempfinden

Komischerweise war aber genau das Gegenteil der Fall! Die ersten 500m auf Straße und asphaltiertem Fuß-/Radweg (ohne Schnee) waren noch sehr frostig, aber sobald ich auf den Schnee kam, wurde es deutlich angenehmer. Nach einem weiteren knappen Kilometer entschloss ich mich deshalb, nicht die Abzweigung zur kurzen Runde zu nehmen, sondern meine Standardstrecke von rund 7km zu laufen. Und obwohl ich auf dem freien Feld direkt dem eisigen Wind ausgesetzt war, wurden die Füße plötzlich immer wärmer. Das ist mir im gesamten Dezember nicht passiert. Und jetzt sogar bei diesen schlechten Bedingungen… Auch bei den kurzen Pausen, bei denen ich meinen Lauf gefilmt hatte, kühlten die Füße kein bisschen aus. Auf dem Schnee hätte ich noch gerne 10km weiter laufen können.

Ist Schnee „wärmer“ als Asphalt?

Am Ende kam ich wieder auf der schneefreien, nassen Straße zu laufen und da wurden die Füße ganz schnell wieder eisig kalt.

Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass es nicht an meiner allgemeinen körperlichen Verfassung lag, sondern dass es auf dem Schnee wirklich weniger kalt war als auf der Straße – zumindest gefühlt.

Wie kann das sein? Beides wird wohl objektiv ungefähr dieselbe Temperatur gehabt haben und nasser Schnee sollte sich zumindest theoretisch kälter anfühlen als der Asphalt. Dachte ich…?!

Ich kann mich erinnern, dass ich auch schon bei meinen Schneeläufen in Bayern den Eindruck hatte, dass es sich auf dem weichen Pulver angenehmer läuft als auf anderen Untergründen. Vor allem aber dass ich den Schnee als weniger kalt wahrnehme als die nassen Straßen.

Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist die Beschaffenheit des Schnees. Schnee ist nicht so dicht wie Asphalt oder Betonplatten und hat viele Lufteinschlüsse. Er lässt sich also zusammendrücken. Vielleicht entsteht dann beim Laufen auf dem Schnee Wärme durch die Reibung beim Komprimieren der Schneeflocken? Vielleicht ist es aber auch einfach die eingeschlossene Luft selbst, die weniger kalt ist und beim Drauftreten entweicht? Ich empfinde die Lufttemperatur nämlich auch weniger kalt als die Bodentemperatur bei direkter Berührung. Ob sie es wirklich ist, weiß ich nicht. Aber gerade bei Wind hätte ich den gegenteiligen Effekt erwartet, Stichwort: Windchill. Wie paradox!

Was immer es ist, es scheint so, dass ich auf Schnee länger laufen kann, als auf nasskalter Straße. Und es macht wirklich Spaß! Schade nur, dass der Schnee hier nicht lange liegen bleibt. Jetzt ist er schon wieder weg…


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Nachtrag:

Es hat tatsächlich in den folgenden Wochen noch mehrfach geschneit in Berlin und ich konnte weitere Runden auf dem schönen Schnee laufen, hier z.B. eine etwas längere Runde von knapp 13km:


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6 Antworten auf „Das Barfuß-im-Schnee-Paradoxon“

  1. Moin Matthias,

    leider kann ich nur bestätigen, dass nasser Asphalt bei Temperaturen knapp über 0 ° echt fies kalt ist. Leider fehlt mir die Erfahrung mit dem Schnee.

    Gestern und heute blieb mir wieder nichts anderes übrig als in Sandalen zu laufen, da es zwar bei 1 ° geschneit hat, der Schnee aber nicht liegen geblieben ist, sondern nur für besagten kalten, nassen Asphalt gesorgt hat.

    Vielleicht habe ich diese Winter aber noch das Glück ähnliche Erfahrungen wie Du machen zu dürften.

    VG Volker

  2. Moin Mathias,

    gehe seit ca 2 Jahren auch sehr viel barfuß 🦶 und bin gerade das erste Mal barfuß so knapp 10 Minute durch den Schnee gegangen und fand es schon wesentlich kälter als auf Asphalt, es sind allerdings auch ca. – 7 Grad. War allerdings schon toll, denke aber wenn ich länger gegangen wäre hätte ich mir Erfrierungen geholt.

    Deine Seite gefällt mir übrigens sehr👍 Hab sie heute erst entdeckt.

    VG aus dem verschneiten Hannover
    Ralf

    1. Hallo Ralf,
      ja das kann ich bestätigen, bei den deutlichen Minusgraden dieser Tage funktioniert das bei mir auch nicht. Habe heute mehrfach Pulverschnee geschaufelt bei fast -10°C und da ist auch mit Zehengymnastik nicht viel zu holen, nach 15 Minuten ist da einfach Schluss. Ich glaube, bei mir persönlich klappt das mit der Fußheizung nur bis Null Grad oder ganz knapp darunter.

      Schöne Grüße in meine Heimatstadt 😉
      Forbi

        1. Ja, ich bin gebürtiger Hannoveraner und habe meine ersten 30 Jahre dort verbracht. Dann hat’s mich über die Umwege Bremerhaven und München jetzt nach Berlin verschlagen. Also drei Himmelsrichtungen der Republik habe ich schon durch 😉

  3. Hey Forbi,

    Bin hier „ hängen“ , fühle mich aber sehr wohl 🤗 das einzige was ich vermisse sind Barfüßler, habe hier noch keinen gesehen… manchmal wäre halt ein persönlicherAustausch sehr schön.

    Gruß Ralf🦶

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