Barfuß – geht das nicht ohne Schuhe?

„Barfuß“ – was heißt das eigentlich? Diese Frage kann normalerweise schnell beantwortet werden – sollte man denken!? Barfuß ist man genau dann, wenn die Füße nackt sind, also wenn man weder Schuhe noch Strümpfe anhat. Wer würde da widersprechen?

Umso mehr wundert es mich, dass ich seit Jahren immer wieder in Dialoge wie den folgenden gerate, vor allem, wenn es ums Laufen im Sinne von Rennen/Joggen geht:

– „Ich laufe barfuß“
– „Du meinst, mit Barfußschuhen?“

Äh was? Nein, ich meine barfuß! Hab ich das nicht grad gesagt? Warum fragen immer alle nach Schuhen, wenn ich barfuß sage? Es fragt doch auch niemand einen FKK-Anhänger nach seinem Nackt-Anzug!
Auch die folgende Variante habe ich schon häufig gehört:

– „Wieso läufst Du barfuß? Zieh doch Barfußschuhe an…“

Es kommt mir so vor, dass es in vielen Köpfen eine Sperre zu geben scheint. Irgendetwas, das kategorisch ausschließt, über die heimischen vier Wände hinaus barfuß sein zu können. So ganz normale Dinge wie Einkaufen, Joggen, Wandern, Autofahren… das alles kann man doch wohl nicht barfuß machen!? Also wird automatisch „barfuß“ in „Barfußschuhe“ übersetzt.

Woran kann das liegen?

Barfuß-Schuh-Lauf
Barfuß-Schuh-Lauf, so sieht das aus!

Barfuß-Darstellung in den Medien

Ich glaube, es hat hauptsächlich damit zu tun, in welcher Weise das Thema Barfuß in den uns täglich umgebenden Medien präsent ist. Egal ob auf Papier oder online, ob in der Werbung, in journalistischen Medien oder auch in sog. User-Generated-Content, also Blogs, Foren, Kommentare etc.:

Immer, wenn irgendwo etwas über das Barfußlaufen geschrieben wird, kommen automatisch auch Schuhe ins Spiel. (…sogar hier bei mir, oje!)

Barfuß ist ein immer öfter auftauchendes Trend-Thema, es ist ja sooo gesund! Aber Leute, die es tatsächlich im Alltag machen, werden als Freaks, Extremsportler oder Spinner dargestellt. Und fast immer werden im gleichen Atemzug (Barfuß-)Schuhe erwähnt. Kein Wunder also, dass es so viele Leute nicht getrennt bekommen im Gehirn! Wahrscheinlich ist es für die meisten so unvorstellbar, seinen kompletten Alltag barfuß zu bestreiten, dass es automatisch um etwas ergänzt werden muss, das dem unbekannten Barfußlaufen eine bekannte Sicherheit gibt: Schuhe!

...aber doch wohl nicht im Winter?!
…aber doch wohl nicht im Winter?!

Barfuß kann man nicht verkaufen – Schuhe schon!

Warum sollte man nur über das bloße Barfußlaufen schreiben, wenn man auch zusätzlich Schuhe verkaufen kann? Ich sehe zunehmend Werbung für die sogenannten Barfußschuhe, die fälschlicherweise die Illusion vermitteln sollen, dass sie das Barfußgehen imitieren könnten. Ich selbst besitze auch Barfußschuhe, aber ich bin mir voll bewusst, dass ich damit nicht barfuß bin – nicht mal ansatzweise sowas Ähnliches wie barfuß! Deswegen spreche ich eigentlich immer nur von „Schuhen“ , der Begriff „Barfußschuhe“ ist nur ein (zugegeben gut funktionierender) Marketing-Gag. Diese Schuhe sind ein guter Einstieg oder eine Ergänzung zum Barfußgehen, aber niemals ein Ersatz!

Sucht man im Netz nach „barfuß“ , findet man deutlich mehr Schuhe als blanke Füße. Kaum ein Bericht über die gesundheitlichen Vorteile des Barfußgehens, in dem nicht auch noch Barfußschuhe beworben werden. Selbst viele Barfußcoaches scheinen ein großes Interesse daran zu haben, neben ihren Kursen auch noch Schuhe zu verkaufen.

Dadurch wird der irrige Eindruck vermittelt, man könne nur im Zusammenhang mit solchen Schuhen barfuß sein. Wie paradox!

Barfuß wandern mit Schuhen

Barfuß wandern ohne Schuhe
Barfuß wandern ohne Schuhe

Aber nicht nur bei Leuten mit finanziellem Interesse scheint diese verdrehte Darstellung verbreitet zu sein. Gibt man beispielsweise bei YouTube den Suchbegriff „barfuß wandern“ ein, kommen jede Menge Videos, in denen Leute mit Schuhen in die Berge gehen. Warum schreiben die dann barfuß? Sie wandern doch mit Schuhen. Und wenn die Sohle noch so dünn ist – es ist nicht barfuß!

Auto und Füße

Eine ganz furchtbare Vermischung kenne ich aus vielen Artikeln über das Autofahren. Gerade zum Frühjahr wird dann gerne gefragt:
Ist Autofahren barfuß oder in Flip-Flops erlaubt?
Da möchte ich schreiend wegrennen, denn beides hat nicht das Geringste miteinander zu tun (außer vielleicht, dass man bei Flip-Flops auch die Füße sehen kann). Mit der eigenen Fußsohle hat man ein wunderbares und direktes Gespür für das Auto und kann die Pedale sehr präzise bedienen. Mit Latschen hat man das nicht und es besteht die Gefahr, dass die losen Dinger verrutschen oder sich sogar unter die Bremse klemmen. Das ist natürlich gefährlich!
Verboten ist beides nicht, trotzdem kann man Flip-Flops nicht mit barfuß vergleichen, weder im Auto noch sonst irgendwo! Dennoch wird es häufig gleichgesetzt: „…mit Flip-Flops oder sogar ganz barfuß“ – Aua!
Dabei sind das zwei völlig verschiedene Paar Schuhe 😀

mit FlipFlops oder sogar ganz barfuß...
…mit FlipFlops oder sogar ganz barfuß…

Erschwerend (im Sinne von anti-barfuß) kommt hinzu, dass in solchen Artikeln gerne mal geschrieben wird, dass der Versicherungsschutz erlischt, wenn im Falle eines Unfalls der Zusammenhang mit dem fehlenden Schuhwerk nachgewiesen wird.
Das ist erstens falsch, denn die Haftpflicht zahlt in jedem Fall, zweitens (wenn es um die Kaskoversicherung geht) gilt das nicht nur für nackte Füße, sondern auch für Schuhwerk jeglicher Art, und drittens finde ich keinerlei Hinweise darauf, dass so ein Fall jemals eingetreten ist, wo Barfüßigkeit als unmittelbare Unfallursache eingestuft wurde. Also warum wird das immer extra erwähnt?

Durch solche überflüssigen Hinweise entsteht dann der Eindruck, dass barfuß Auto fahren zwar erlaubt ist, aber irgendwie doch etwas Schlimmes und Gefährliches. Und wenn man schon barfuß fährt, sollte man dabei lieber Schuhe tragen… uff!
Offenbar ist die Berichterstattung zu diesem Thema allgemein sehr einseitig aufgestellt, dann es ist erkennbar, dass dieser Unsinn zigfach voneinander abgeschrieben wird. Übrigens nicht nur von Zeitungsredaktionen – selbst auf einer TÜV-Webseite habe ich das so gefunden! 🤦‍♂️

Experten empfehlen barfuß – und raten davon ab

Leider wird auch in vielen eigentlich wohlwollenden Berichten über die positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Barfußlaufens eine unglückliche Wendung genommen – wenn nämlich in dem Artikel ein „Fußexperte“ (Arzt oder Orthopäde) zu Wort kommt. Dieser preist zunächst die gesunden Vorteile des Barfußgehens an, um sie dann sofort wieder einzuschränken:
…man sei es ja nicht gewohnt und solle deswegen lieber nicht so lange barfuß gehen. Und nur auf ungefährlichen Untergründen, wie Wiesen oder in Barfußparks. Und auf Asphalt zu laufen, ist eh ungesund und Diabetiker sollten das sowieso nicht und… und… und…
Alles Punkte, die ich nachvollziehen kann (bis auf den Asphalt), aber warum werden eine handvoll Vorteile immer gleich mit einem ganzen Arsenal an Warnhinweisen abgeschwächt, so dass auch hier wieder der Eindruck entsteht, man könne gar nicht dauerhaft barfuß sein?! Klar muss man sich langsam dran gewöhnen, aber es geht! Das Fazit in solchen Berichten lautet aber meistens: barfuß laufen ist gut, aber besser nur mit Schuhen!

Schöner weicher Asphalt - eine Wohltat für die Füße
Schöner weicher Asphalt – eine Wohltat für die Füße

Man muss es Medizinern wohl nachsehen, schließlich haben sie überwiegend mit kranken Füßen zu tun. Vom dauerhaften Barfußgehen haben die „Experten“ häufig gar keine Ahnung. Woher auch?

All das führt wohl dazu, dass es vielen Leuten so schwer fällt, sich wirklich bloße Füße vorzustellen, wenn man erzählt, dass man in der Stadt oder in den Bergen barfuß unterwegs ist.

– „Ach, Du meinst, mit Barfußsch…“
– „NEIN! Ohne! Denn nur barfuß ist barfuß!“

Der ultimative Test

Wie ist Deine Wahrnehmung? Kannst Du barfuß von nicht-barfuß unterscheiden?

Die folgende Collage zeigt 36 Barfußbilder. Aber es haben sich 10 Fehler eingeschlichen. Schau genau hin. Findest Du sie?

36x barfuß - finde 10 Fehler
36x barfuß – finde die 10 Fehler

Barfuß auf Schotter – nicht jugendfrei?

Gibt es einen Barfußfilter bei YouTube?Im Sommer dieses Jahres habe ich mich selbst beim Gehen über einen geschotterten Weg gefilmt. Einfach nur so, zur Selbstkontrolle, um zu sehen, wie ich mich eigentlich so bewege.

Vor einiger Zeit hatte ich das Filmchen nach etwas Bearbeitung in meinen YouTube-Kanal hochgeladen. Aber unmittelbar nach dem Upload war das Video schon mit dem Etikett „mit Altersbeschränkung“ versehen. Nanu!? Ich konnte das selbst nicht mehr ändern und habe mich sehr gewundert.

As you may know, our Community Guidelines describe which content we allow – and don’t allow – on YouTube. Your video Barfuß und locker über den Schotterweg was flagged to us for review. Upon review, we’ve determined that it may not be suitable for all viewers and it has been placed behind an age restriction. Ich bekam eine (automatische) E-Mail, in der stand, dass mein Video aufgrund von Richtlinien (Community Guidelines) eingeschränkt wurde und dass man Beschwerde dagegen einlegen könne. Also füllte ich das entsprechende Formular aus und erklärte, dass es wohl ein Irrtum sein müsse, denn in dem Video ist ja nichts Schlimmes zu sehen.

Thank you for submitting your video appeal to YouTube. After further review, we've determined that while your video does not violate our Community Guidelines, it may not be appropriate for a general audience. We have therefore age-restricted your video.Einen Tag später hatte ich bereits eine Antwort („Decision on your Video Appeal“) im virtuellen Postkasten, in der mir erklärt wurde, dass ich tatsächlich nicht gegen die Richtlinien verstoße. Aha, schon mal gut! Aber es sei „möglicherweise nicht für ein allgemeines Publikum geeignet“, deswegen bleibt die Altersbeschränkung bestehen…

Hä? Was ist mit denen  los? Seit wann sind nackte Füße nicht mehr jugendfrei? Oder liegt’s am Schotter???

Eine weitere Rückmeldung kann ich nicht abgeben, da man sich nur einmal pro Video beschweren kann! Und das noch nicht mal mit besonders ausführlichen Erklärungen – der Text in dem Beschwerdeformular darf nämlich nur 200 Zeichen lang sein!

Ich habe jetzt noch eine zweite Variante von dem Video erstellt, mit Vor- und Abspann und noch ein paar Sequenzen, die nicht in Zeitlupe sind – in der Hoffnung, dass das diesmal durchgeht. Aber auch dieser Film wurde sofort vom Uploadfilter mit der Altersbeschränkung versehen 🙁

Ich glaube ja noch nicht mal, dass da irgendein verklemmter Reviewer mit Podophobie dahinter steckt, sondern gehe fest davon aus, dass hier ein Upload-Filter-Algorithmus irgendwas in meinem Film erkannt haben will. Und auch die zweite Prüfung halte ich nur bedingt für echt. Ich gehe eher davon aus, dass auch dort eine Standardantwort mit Zeitverzögerung gesendet wurde, ohne dass jemals ein echter Mensch das Video geprüft hat. Anders kann ich mir das nicht erklären, zumal ich auf die Beschwerde für mein zweites Video eine „Decision“-Mail mit exakt demselben Wortlaut bekam wie beim ersten Mal.

Es ist unfassbar, welch hirnrissigen und teils wirklich jugendgefährdenden Unsinn man bei YouTube finden kann, der nicht blockiert wird. Aber nackte Füße sind ab 18… Arme Welt!

Ach ja, dies ist übrigens das Video, um das es geht (die zweite Version) – leider kann man es nur als eingeloggter, volljähriger YouTube Benutzer ansehen:

Wie wird man eigentlich Barfußgeher?

Unter diesem Motto wurde jetzt ein Gastbeitrag von mir im befreundeten barfussblog.de veröffentlicht.

Ich hatte in den letzten Monaten einige angefangene Textfetzen zu einem Ganzen zusammengefügt und heraus kam eine Mischung aus meinem eigenen Werdegang und Rundumschlag zu allen Themen, mit denen sich beginnende (und fortgelaufene) Barfußläufer beschäftigen.

Für meinen eigenen Blog war er zu lang und enthält zu viel, was ich hier eh schon beschrieben habe. Aber im barfussblog passt er offenbar ganz gut in die Reihe der Biografien und Anfängertipps.

Hier ist der Artikel, viel Spaß beim Lesen!

Wie wird man eigentlich Barfußgeher?

 

 

 

 

 

Zwei Paddel fürs Raddel

Ich hatte zwar vor einiger Zeit beschrieben, wie ich unangenehme Zacken von Fahrradpedalen mit Schuhreparaturpaste ebnen kann (siehe hier), aber so ganz das Gelbe vom Ei war das nicht. Die trockene Paste biegt sich an den Seiten hoch und fällt irgendwann ab.

Moto Pedale
Moto Pedale

Deswegen habe ich mir jetzt doch die barfußtauglichen Pedale von Moto bestellt. Als sie geliefert wurden, wollte ich sie gleich montieren, aber ich habe die Alten nicht abbekommen. Der Imbusschlüssel hat durchgedreht und einen passenden Maulschlüssel für die Außenseite habe ich nicht. Also bin ich am nächsten Tag zum Fahrradladen gefahren, um mir helfen zu lassen. Dort hatten sie natürlich das passende Werkzeug und die alten Dinger ruckzuck runter.

Beim Anschrauben der neuen Paddel meinte der Mechaniker, solche hätte er auch mal gehabt, aber die hätten ihm zu wenig Grip gehabt. Das kann ich mir kaum vorstellen?! Auf jeden Fall sagte ich dann, dass die barfuß besser sind als solche mit spitzen Zacken dran. Das verstand er zwar, meinte dann aber „wer fährt denn barfuß? Das macht doch keiner“…

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es sich mit diesen Pedalen sehr angenehm fährt ohne Schuhe. Und auch mit Schuhen hat man genügend Halt auf der rauen Oberfläche. Mag sein, dass es nicht für die Geländetour mit dem MTB reicht, aber fürs Stadt- oder Tourenrad ist es eine super Sache.

Moto in Motion
Moto in Motion

Jetzt auch mit Kunst…

Ich habe heute die Gelegenheit genutzt und eine neue Seite in mein Hauptmenü eingebaut: wortkunst.

Darunter sind bis jetzt zwei Seiten mit Gedichten, die ich schon im Forum veröffentlicht habe, die aber dort nur Mitglieder lesen können.

Ich habe diese als statische Seiten angelegt, weil ich es irgendwie nicht passend fand, die Gedichte als Blogbeiträge zu veröffentlichen. Falls später noch mehr dazu kommen sollten, sind die dann alle an einer Stelle gesammelt.

Das Synonym „Wortkunst“ fand ich auch passend, weil „Gedichte“ so langweilig klingt und ich jetzt außerdem nur Worter mit „w“ im Hauptmenü habe. Viel Spaß also mit der Wortkunst!

Brennnesseln

 

Barfuß ist KEIN Trend!

Immer wieder lese ich in den Medien, Barfußgehen wäre ein neuer Trend. Wenn das bedeutet, dass es zunehmend mehr Leute machen, dann finde ich es gut! Allerdings hat das Wort „Trend“ für mich den Beiklang einer vorübergehenden Modeerscheinung und da muss ich frei nach Loriot einlenken: „Moooment!“

Nur ein Trend?
Nur ein Trend?

An dieser Stelle müssen wir etwas zurückspulen:

  • die Menschheit im weitesten Sinne gibt es seit ungefähr 2 Mio Jahren – die 15 Mio davor können wir als Entstehungsgeschichte der Homoiden gerne noch dazuzählen, ganz nach Belieben. Die waren IMMER barfuß!
  • Schuhe oder schuhähnliche Fußbekleidung gibt es nachweislich erst seit ein paar Tausend Jahren, mit viel Wohlwollen ein paar Zehntausend
  • das Tragen geschlossener Schuhe ist erst etwa seit dem Mittelalter gebräuchlich, in dieser Zeit kam wohl auch erstmals der Absatz auf
  • Moderne Schuhe, wie wir sie heute kennen, gibt es erst ungefähr seit Beginn der Industrialisierung im 19 Jh.
  • und Sportschuhe mit Gummisohlen gibt es sogar erst seit wenigen Jahrzehnten

So, und nun stellen wir mal ein paar Millionen Jahre Menschheit den vergleichsweise wenigen Jahren Schuhexistenz gegenüber. Man mag darin einen technischen Fortschritt erkennen (weil der Mensch sowieso immer besser weiß, was gut für ihn ist), aber ich hoffe stark, dass das Barfußgehen kein Modetrend ist, sondern eine Rückbesinnung auf das, was uns die Evolution vor langer Zeit mitgegeben hat. Nämlich ein genial ausgeklügeltes System, das einen perfekten Bewegungsablauf ermöglicht – ganz ohne künstliche Hilfsmittel.

Trends schaffen Märkte

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich passend zum neuen Barfußtrend auch gleich eine ganze Industrie dafür etabliert hat. Allen voran natürlich Schuhhersteller, die jetzt „Barfußschuhe“ allerlei Ausprägungen verkaufen, damit man zwar barfuß gehen soll, aber dabei nicht auf das passende Schuhwerk verzichten muss. Vom High-End-Business-Schuh bis zur Supermarktklasse (die teilweise nicht im Ansatz die Kriterien für solche Schuhe erfüllen) ist alles dabei. Meine Hoffnung, dass solche Schuhe – vor allem die qualitativ hochwertigeren – langfristig herkömmliche Schuhe vom Markt drängen, wird vermutlich ein Wunschtraum bleiben.

Dann gibt es jetzt jede Menge „Barfuß-Coaches“, die es zu ihrem Hauptberuf gemacht haben, Leuten beizubringen, wie man barfuß läuft. Es gibt sogar eine ganze Akademie für das Barfußgehen. Sollte es sich irgendwann mal rumgesprochen haben, dass es besser wäre, wenn Menschen den natürlichen Gang (den sie im Kleinkindalter ganz von selbst können) gar nicht erst verlernen müssen (wenn sie nämlich keine oder nur selten Schuhe tragen), dann sind all diese Leute wieder arbeitslos. Aber das wird wohl auch so schnell nicht passieren. Mir ist ein Rätsel, was man in mehrtägigen Gruppenseminaren lernt, das man nicht schon nach einer Stunde Theorie verstehen kann?! Üben muss dann sowieso jeder für sich selbst und zwar über Monate im Alltag.

Und schließlich sind da noch die Medien, die über so einen „Trend“ berichten. Das ist zunächst mal gut, es soll ja schließlich bekannter werden. Aber nicht alle Artikel sind eine gute Werbung für das Barfußgehen, denn es wird auch viel Unsinn (ab-)geschrieben. Letztens habe ich grad wieder irgendwo gelesen, dass „Asphalt den Füßen schadet“ – das kann man so pauschal nicht sagen. Manchmal wird zur Bekräftigung des Inhalts auch noch ein „Experte“ hinzugezogen, dessen Kompetenz aber häufig eher im Bereich kranker Füße liegt, als beim gesunden Barfußgehen.

Kein Trend, sondern normal!
Kein Trend, sondern normal!

Vision

Vielleicht ist Barfußgehen irgendwann nichts exotisches mehr, sondern ganz normal?! Vielleicht sind Barfußschuhe, Barfußexperten und Berichte über Barfußgeher irgendwann überflüssig, weil sich niemand mehr wundert?!

Es mag sein, dass all das ein Trend ist und irgendwann wieder aufhört, aber das Barfußgehen selbst ist KEIN Trend, denn es ist die natürlichste und gesündeste Fortbewegungsart. Schuhe sind keine technische Weiterentwicklung der Menschheit, um das natürliche Gehen auf den eigenen Füßen zu ersetzen.

Nicht falsch verstehen, Schuhe sind eine tolle Erfindung! Sie schützen uns vor Verletzungen und vor extremen Temperaturen. Aber nur dann ist es sinnvoll, welche zu tragen! Zu behaupten, auf Asphalt zu Laufen wäre schlecht für die Gelenke und eine 3cm dicke Schaumstoffsohle könne die Stöße abfedern, halte ich für eine kühne Aussage. Da hätte die Natur aber gründlich versagt!

Barfuß auf Bäumen

Durch das Geocaching bin ich darauf gekommen, wieviel Spaß das Baumklettern macht. Gelegentlich muss man da nämlich auf Bäume steigen, um an einen Cache zu kommen. Seit ich barfuß unterwegs bin, klettere ich dann natürlich auch ohne Schuhe auf die Bäume.

Anfänglich hatte ich etwas Bedenken, ob das sicher genug ist und ob man sich dabei an den Füßen verletzen kann. Das war allerdings völlig unbegründet, denn barfuß hat man ein viel besseres Gefühl für den Baum und auch einen besseren Halt als mit starren Schuhsohlen. Dazu kommt, dass sich die Baumrinde einfach toll unter den Fußsohlen anfühlt. Dass sich verschiedene Baumarten auch ganz unterschiedlich anfühlen, ist eigentlich selbstverständlich – aber nur zu spüren, wenn nichts zwischen Fuß und Baum ist.

Ich kann‘s nur empfehlen, probiert‘s einfach auch mal aus. Alle unten angezeigten Bilder sind natürlich auch beim Cachen entstanden. 😉

Schön glatte Rinde.
Schön glatte Rinde.
Nadelbäume sind harzig!
Nadelbäume harzen!
Ein paar Bilder...
Ein paar Bilder…

 

...meiner "eigenen" Bäume...
…meiner „eigenen“ Bäume…
...mit eigenen Geocaches...
…mit eigenen Geocaches…
...in Oberhaching.
…in Oberhaching.

 

Fast wie Treppenstufen.
Fast wie Treppenstufen.
Leiter vergessen? Kein Problem!
Leiter vergessen? Kein Problem!
Mein höchster bisher, ca. 10m.
Mein höchster bisher, ca. 10m.

 

Nichts mehr zu machen...
Nichts mehr zu machen…

 

 

Jetzt geht’s los…

Nun habe ich also auch ein WordPress Blog… naja, man muss ja auch mit der Zeit gehen 😉

Schauen wir mal, was draus wird und wie lange das lebt. Ich bin gespannt! Viel Spaß!

 

P.S. dies ist der erste Eintrag in diesem Blog. Alle Beiträge, die zeitlich vor diesem stehen, sind bewusst zurückdatiert, damit die Ereignisse in chronologisch richtiger Reihenfolge beschrieben sind.

Das erste Mal – so fing alles an

Schon seit Jahren habe ich gelegentlich die Schuhe ausgezogen und bin gerne für kurze Strecken barfuß gegangen. Verstärkt seit ca. 2014, als ich nach einem Laufschuhwechsel Probleme mit der Achillessehne bekam. Die viel zu weichen Sohlen der neuen Schuhe verursachten immer stärkere Beschwerden nach dem Laufen und ich merkte, dass es mir gut tut, wenn ich statt dicker Polsterung gar nichts unter den Füßen habe.

Eigentlich habe ich schon zu dieser Zeit angefangen, mehr oder weniger regelmäßig für kurze Strecken barfuß spazieren zu gehen. Trotzdem würde ich im Nachhinein sagen, dass der Beginn meiner „richtigen“ Barfußlauferei mit einem ganz bestimmten Ereignis beginnt:

Barfuaß und bsuffa aufm Hoamweg

Auf der Heimfahrt von der Wiesn (also Münchener Oktoberfest für die Nicht-Bayern) musste ich so dringend pinkeln, dass ich eine S-Bahn Station früher ausgestiegen bin. Nachdem ich also ein Gebüsch beglückt hatte (pfui, ich weiß!), habe ich – im besoffenen Kopf oder aus Eingebung – die Schuhe ausgezogen und bin die 2 km barfuß nachhause gelaufen. Das fühlte sich toll an! Aber ich merkte auf dem letzen halben Kilometer schon, dass es vermutlich nicht die allerbeste Idee war…

Täglicher Spaziergang
Täglicher Spaziergang

Am nächsten Tag hatte ich natürlich Blasen an den Zehen und an den Fersen (da bin ich noch schön auf der Hacke gelaufen)! Aber trotzdem fühlte sich die Fußsohle irgendwie gut an. Ich spürte, dass da etwas passiert. Ich hatte zum ersten Mal dieses unbeschreibliche Gefühl „da wächst jetzt eine dickere Fußsohle“ – ab da war ich süchtig!

Nach diesem Tag bin ich dann täglich ca. 15-20 Minuten barfuß draußen spazieren gegangen und die Sohle wurde dicker und unempfindlicher. Der Rest ergibt sich aus den nachfolgenden Beiträgen. 😀