
Aufgrund meiner zurückliegenden Krankheitsgeschichte hatte ich wenig Hoffnung, beim diesjährigen Firmenevent wieder auf die Ennskraxn steigen zu können. Aber der Mauerweglauf hatte mir gezeigt, dass mein Fuß doch wieder mitmacht. Einzig die Kondition war nach monatelanger Pause etwas problematisch. Deshalb war ich mir nicht ganz sicher, ob ich den anstrengenden Aufstieg angehen sollte. Aber ich war ja schon letztes Jahr nicht oben (da hatte es geschneit), deswegen wollte ich eigentlich gerne nochmal rauf – zumal es vorläufig das letzte Firmenevent in Kleinarl war. Der Club steht nächstes Jahr nicht zur Verfügung, weil er wegen Besitzerwechsel umgebaut wird. Und danach wird er bestimmt teurer. Wer weiß, ob wir uns das dann noch leisten können?

Vor der Bergbesteigung war aber nochmal der Klettersteig dran. Letztes Jahr hatte ich ja schon den mittleren (B/C) und den schweren (D) gemacht, dieses Jahr sind wir den leichten Familien-Klettersteig (A/B) gegangen. Damit sind nun alle drei abgehakt.

Am Samstag früh machte ich mich dann um Viertel vor sechs auf den Weg. Der Wetterbericht war so lala, aber ich war frohen Mutes und nahm das Projekt doch in Angriff. Nach knapp anderthalb Stunden war ich an der noch geschlossenen Steinkaralm und traf dort die Wirtsleute an. Offenbar war ich der Erste, der hier unterwegs war.

Der Aufstieg bis zur Alm und dann weiter zum Blauen See war wie immer wunderschön unter den Füßen. Die abwechslungsreichen Untergründe sind bergauf eine Wohltat für die Fußsohlen!

Der Blaue See war gar nicht mehr da, sondern völlig ausgetrocknet. In den letzten Jahren wurde er immer kleiner. Vor drei Jahren konnte ich darin noch Wasserski fahren (siehe hier). Jetzt sind es nur noch trockene Steine gewesen.
Dafür habe ich aber endlich mal das Schild ergänzt, wo schon bei meinem ersten Besuch 2017 das „r“ fehlte und der i-Punkt. 😂🥳

Den Sonnenaufgang konnte ich leider nicht sehen. Als ich nach der Steinkaralm über die Kuppe kam, stand die Sonne schon ein ganzes Stück über dem Horizont. Aber ein schöner Blick war es trotzdem mit den Wolken. Mal was anderes als immer nur blauer Himmel.



An der Felskuppe oberhalb der Baumgrenze wurde mir langsam klar, dass ich offenbar wirklich alleine hier unterwegs war. Es kam mir niemand entgegen und niemand überholte mich oder wurde von mir überholt. Das war die letzten Jahre immer anders, da war mehr los, aber da war auch schöneres Wetter.

Am steilsten Stück des Weges machte ich mangels Begleitung selbst ein paar Poser-Fotos von mir, indem ich das Smartphone auf einem Felsvorsprung platziert (absturzsicher!) und filmte. Es sieht auf den Standbildern aber steiler aus als ich es empfunden habe. Komischerweise ist diese Stelle auch bergab leicher begehbar als aufwärts. Ich kann es mir nicht erklären, aber es war mir schon bei allen anderen Besteigungen aufgefallen.

Leider zog es sich weiter oben immer mehr zu. Kurz vor dem Gipfel hatte ich noch einen freien Blick auf Kleinarl (s.o.), aber dann zogen die Wolken über mir zusammen und es wurde neblig und feucht. Um 9:26 Uhr war ich oben.

Die fehlende Aussicht störte mich gar nicht so sehr, schließlich war ich schon viermal bei blauem Himmel hier oben. Aber es wurde eisig kalt und ich zog alles an, was ich an Klamotten dabei hatte. Ausgerechnet dieses Jahr hatte ich keine lange Hose mit und auch keine Jacke. Aber immerhin was Langärmliges, mehrere Funktionsshirts (eigentlich zum Wechseln) und die Kompressionsstulpen, die ich kürzlich gekauft hatte und mal ausprobieren wollte. Sie dienten hier mehr als Wadenwärmer.

Ich genoss mein (alkoholfreies) Gipfelbier und schaute noch schnell nach dem Cache, der beim Gipfel liegt – leider ist er verschwunden! Dann zog ich mir die Minimalschuhe für den Abstieg an und sah zu, dass ich von diesem frostigen Ort wegkomme.

Blöderweise fing es 50m tiefer an zu regnen, so dass ich mangels Regenjacke ordentlich durchnässt wurde. Außerdem erschwerte es etwas den Abstieg, denn der obere Teil der Bergkuppe besteht hauptsächlich aus Kalkstein, der bei Nässe recht glitschig wird. Ich konzentrierte mich darauf, alle Tritte sicher zu setzen, um nicht abzurutschen. So kam ich gut durch den steilsten Abstieg durch. Im unteren Teil geht man größtenteils auf Gneis, der ist etwas griffiger. Da ließ der Regen dann auch wieder nach und ich konnte zügig weiter absteigen.
Am nicht vorhandenen Blauen See kam mir dann doch noch jemand entgegen, der in Richtung Gipfel ging und ein paar Hundert Meter weiter noch ein Paar, die ebenfalls hoch wollten. Also war ich doch nicht ganz der Einzige an dem Tag. Später traf ich noch ein paar Wandergruppen im Wald, die vermutlich nur bis zu Alm gingen. Sie schauten teilweise etwas skeptisch auf meine „Wanderstiefel“. 😂

Gegen halb eins war ich wieder am Club und konnte noch in Ruhe duschen und mittagessen, bevor die Team-Olympiade losging. Insgesamt war ich fast sieben Stunden unterwegs, mit knapp einer Stunde Pause am Gipfel. Also reine Gehzeit waren 5:56 Stunden, davon 3:40 für den Aufstieg. Das habe ich schon mal über eine Stunde schneller geschafft, aber das war ja diesmal gar nicht das Ziel. Sondern zu sehen, ob ich mit meinem kaputten Fuß wieder in der Lage bin, eine anspruchsvolle und kraftraubende Bergwanderung zu machen. Ja, hat geklappt! 🥳
Und so habe ich zum fünften Mal die Ennskraxn bestiegen und auch zum fünften Mal komplett barfuß beim Aufstieg (2022 inkl. Abstieg)! Zum ersten Mal bin ich dabei alleine unterwegs gewesen, aber da ich den Weg und seine Schlüsselstellen inzwischen ganz gut kenne, hatte ich mir das ohne Weiteres zugetraut. So konnte ich die ganze Zeit mein eigenes Tempo gehen und mir die Kraft einteilen. Trittsicher bin ich auf jeden Fall und die Kondition hat auch ausgereicht, um sicher wieder runter zu kommen. 💪
Schöner Abschluss zum vermutlich letzten Firmenevent in Kleinarl! Und kaum war ich wieder aus der nebligen Suppe unten im Tal, zeigte sich die Ennskraxn von ihrer schönsten Seite und streckte mir mit ihrem wolkenfreien Gipfel die Zunge heraus! Blöder Berg! 😜


